Schlaflos in seattle

Polnischer Priester exorziert Tageszeitung wegen “Lügen der Medien”

Teufelsaustreibung im Sinne des Wutbürgertums. Ist wirklich passiert. Die “Gazeta Wyborcza” ist Polens führende Tageszeitung und sieht sich, ähnlich wie unsere Medienlandschaft, zur Zeit mit vielen Anfeindungen als “Lügenpresse” konfrontiert. Die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die Ende Oktober die Parlamentswahlen für sich entscheiden konnte, hatte am Wochenende zehntausende Anhänger für eine Demo mobilisiert. Und einen Priester im Schlepptau – Alles im Sinne eines “Kreuzzugs für das Vaterland”. Holy Moly …

Polen: Teufelsaustreibung für kritische Zeitung
Die Teilnehmer der rechtskatholischen Kundgebung in Warschau. Foto: AP/sokolowski

Aus “Der Standard”

Für Aufsehen sorgte ein Priester vor dem Redaktionsgebäude der Tageszeitung “Gazeta Wyborcza”. Umringt von Mitgliedern nationalkonservativer Gruppen aus dem Umfeld der PiS sprach er am Sonntag ein Exorzismusgebet vor dem Verlagshaus in Warschau. Die Aktion war Abschluss eines Protestmarschs gegen “Lügen der Medien”. Die Teilnehmer zogen hinter einer Ikone der Jungfrau Maria und einem Transparent mit der Aufschrift “Kreuzzug für das Vaterland” vor das Gebäude.

Und die Reaktion der Redaktion:

Aus den Redaktionsräumen regneten Flugblätter mit Karikaturen über Meinungsfreiheit auf sie herab.

Die linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza erscheint seit 1989, nachdem sich die Gewerkschaft Solidarnosc vor den ersten freien Parlamentswahl nach der Ära des Kommunismus in Polen das Recht zur Herausgabe einer Zeitung erkämpft hatte.

 

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