Schlaflos in seattle

Britische Poster-Kampagne wirbt für Einwanderung

Dein Nachbar, der “Immigrant”


Die Zahl der Menschen, die vor politischen, ökonomischen und/oder ökologischen Katastrophen aus ihrer Heimat flüchten, hat einen neuen, traurigen Rekord erreicht. Die Welt gleicht einem Krisenherd mit vielen, komplexen Flächenbränden. Und gerade jetzt kocht auch sie wieder hoch: Die Fremdenangst – und vielfach – die Fremdenfeindlichkeit.
Mit der I am an immigrant”-Kampagne wurde in Großbritannien jetzt eine landesweite Poster-Aktion gelauncht, die vor den Wahlen für Toleranz und eine einwanderungsfreundliche Regierungspolitik wirbt.

Grenzziehung im politischen Marketing

Die australische Regierung hatte es da noch anders vorgemacht, als sie im Oktober letzten Jahres eine massive (millionenschwere) Marketingkampagne gegen Visa-lose Einwanderung und für eine eindringliche Abschreckung der “Boat People” gefahren hatte. Dass das sehr fragwürdige Political Advertisement auch hohe Resonanzwellen im Internet schlagen sollte, blieb dabei natürlich nicht aus.

australien not welcome immigration marketingWeb-banner-Vol-returns2

Auf Tumblr formierte sich daraufhin eine sympathische Gegenbewegung, die auf die regierungsseitige “Not welcome”-Politik mit einem solidarisierenden “#notinmyname” antwortete.

Ja, die Gesellschaft im Commenwealth kann zum Glück auch noch andere Seiten aufziehen. In Großbritannien werden seit kurzem öffentliche Plätze durch eine Posterkampagne in Projektionsflächen erfolgreicher und begrüßenswerter Immigration verwandelt. Die Plakate zeigen 15 beispielhafte Biografien von Menschen, die einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Gesundheit und zum Wohlstand der Britischen Gesellschaft beitragen. Gerade der massive Anteil an medizinischem Personal mit Migrationshintergrund wurde in einer Studie bestätigt und unterstreicht die Notwendigkeit einer einwanderungsfreundichen Politik.

Bezeichnenderweise ist die “I am an Immigrant”-Kampagne ein komplett Crowdfunding-finanziertes Projekt – das zeigt damit wieder mal, wie sehr politische Öffentlichkeit von zivilgesellschaftlicher Partizipation lebt. Und wie deutlich das Internet seinen begrüßenwerten Beitrag dazu leisten kann. Mittlerweile konnten sogar über 69.000 Euro gesammelt werden – und schließlich ist auch jeder Cent eine Stimmenabgabe für den weltoffenen Umgang mit Migration und gesellschaftlicher Inklusion.

poster pro immigration großbritannien

kampagne großbritannien 2immigration kampagne großbritannien 1

Vor der Parlamentswahl im Juni setzt dieser Appell für eine offene Migrationskultur, die auch den aktuellen Weltgeschehnissen Rechnung trägt, ein wichtiges Zeichen. Die Resonanz auf dieses Projekt liest sich wieder mal teils beängstigend – zumindest tummeln sich unter einem Yotube Beitrag zur Aktion etliche “nationalkonservative” Kommentare … Das bleibt leider nicht aus. Der Hoffnungsschimmer am sich teils braun abzeichnenden Horizont unserer politischen Kultur in Europa deutet sich dann aber immer wieder durch solche Aktionen wie der “I am Immigrant” Kampagne an. Wenn “Pegida”, “Front National”, “Identitäre Bewegung” und Co. lauthals für sich beanspruchen, im Namen eines “Volkes” zu sprechen, dann widerspricht bisher auch immer eine starke und mehrheitliche, bürgerlich getragene Gegenstimme.  Zum Glück gibt es das noch: Die guten Zeichen in schlechten Zeiten. Das gute Marketing von relevanter Überzeugungskraft.

Nachti Welt. Mach’s besser …

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